Wärme, die schon durch das Glas ist, bleibt drinnen. Deshalb schlägt eine Aufdachanlage jede Unterglaslösung, sobald es um Temperatur geht.
Warum Glasräume überhitzen
Sonnenlicht durchdringt Glas als kurzwellige Strahlung nahezu ungehindert. Trifft es auf Boden, Möbel und Wände, wird es dort absorbiert und als langwellige Wärmestrahlung wieder abgegeben. Für diese längeren Wellen ist Glas kaum durchlässig, die Energie bleibt also im Raum.
Dazu kommt die Geometrie. Ein Wintergarten hat eine Glasfläche, die im Verhältnis zum Volumen sehr groß ist, und häufig ein geneigtes oder waagrechtes Dach. Genau auf dieses Dach fällt die Sommersonne fast senkrecht, wodurch die eingestrahlte Leistung pro Quadratmeter ihr Maximum erreicht.
Ohne Beschattung sind an einem klaren Sommertag Innentemperaturen weit über der Außentemperatur die Regel. Lüften allein hilft dabei begrenzt, weil ständig neue Energie nachkommt, solange die Sonne auf das Glas scheint.
Der Fc-Wert macht den Unterschied sichtbar
Wie stark eine Beschattung den Energieeintrag senkt, beschreibt der Abminderungsfaktor Fc. Er liegt zwischen null und eins, und je kleiner der Wert, desto weniger Sonnenenergie kommt an. Ohne Sonnenschutz beträgt er 1, es kommt also alles durch.
Für eine außenliegende Markise werden typischerweise Werte um 0,5 angesetzt. Ein innenliegender Sonnenschutz in dunkler Ausführung erreicht dagegen nur etwa 0,9. In Reduktion gerechnet heißt das: außen etwa die Hälfte der Energie ferngehalten, innen rund ein Zehntel.
Der Grund ist physikalisch einfach. Die Aufdachmarkise fängt die Strahlung ab, bevor sie das Glas erreicht, die Wärme entsteht draußen und wird von der Luft abgeführt. Eine Unterglasanlage arbeitet erst, wenn die Energie bereits im Raum ist. Sie verschattet dann zwar den Blick, aber die Wärme steckt schon zwischen Glas und Tuch fest und heizt diesen Zwischenraum auf.
| Ausführung | Fc-Wert | Anteil abgehaltener Energie |
|---|---|---|
| ohne Sonnenschutz | 1,0 | keiner |
| innenliegend, dunkel | etwa 0,9 | rund ein Zehntel |
| außenliegende Markise | etwa 0,5 | rund die Hälfte |
| außenliegender Raffstore | etwa 0,25 | rund drei Viertel |

Wofür Unterglasanlagen trotzdem gebaut werden
Wenn Aufdach thermisch so klar überlegen ist, stellt sich die Frage, warum es Unterglasmarkisen überhaupt gibt. Drei Gründe sprechen für sie.
Der erste ist Blendschutz. Wer unter einem Glasdach arbeitet oder isst, stört sich am direkten Licht, und dagegen hilft eine Bahn unter dem Glas ebenso gut wie eine darüber. Der zweite ist die Witterung: Eine Innenanlage ist Wind, Regen, Schnee und UV-Strahlung nicht ausgesetzt und altert dadurch deutlich langsamer. Der dritte ist die Optik, weil sich Unterglasanlagen unauffällig in die Sparrenkonstruktion einfügen.
Dazu kommt ein praktischer Punkt. An Standorten, an denen eine Außenanlage wegen Windlast oder Zugänglichkeit problematisch wäre, ist die Innenlösung die einzige realisierbare. Wer sich dafür entscheidet, sollte allerdings wissen, dass er Blendschutz kauft und nicht Hitzeschutz.
Aufdach: geführt und windgeprüft
Eine Aufdachmarkise läuft auf dem geneigten Glasdach, üblicherweise in seitlichen Führungsschienen, die auf den Sparren sitzen. Die Führung ist hier keine Ausstattungsvariante, sondern Voraussetzung: Eine frei laufende Bahn auf einer geneigten Fläche würde bei Wind sofort ausbrechen.
Die Neigung des Daches arbeitet dabei mit. Wasser läuft ab, und das Tuch liegt nicht auf, sondern wird in geringem Abstand über dem Glas geführt, damit Luft zirkulieren kann. Dieser Luftspalt trägt zur Kühlung bei, weil die vom Tuch aufgenommene Wärme abgeführt wird, statt an das Glas weitergegeben zu werden.
Für die Auslegung zählt die Windwiderstandsklasse ebenso wie bei jeder anderen Markise, und die Befestigung erfolgt an den Sparren, nicht an der Eindeckung. Bei bestehenden Wintergärten ist deshalb zu klären, ob die Sparren die zusätzliche Last aufnehmen und ob die vorhandene Konstruktion für eine Nachrüstung freigegeben ist.
Das Dach ist nicht das ganze Problem
Die stärkste Einstrahlung trifft im Hochsommer das Glasdach, weil die Sonne dann steil steht. Im Frühjahr und Herbst dagegen kommt sie flach von der Seite und trifft die senkrechten Glasflächen, wo eine Dachbeschattung nichts ausrichtet.
Deshalb ist die vollständige Lösung meist zweiteilig: eine Anlage auf dem Dach gegen die Sommersonne und Senkrechtmarkisen vor den Fassadenflächen gegen tief stehende Strahlung. Beide lassen sich getrennt steuern, was sinnvoll ist, weil sie zu unterschiedlichen Zeiten gebraucht werden.
Wer nur eine Anlage anschaffen kann und den Wintergarten vor allem im Sommer nutzt, beginnt beim Dach. Wird der Raum ganzjährig genutzt, ist die senkrechte Beschattung der Fassade oft der Teil, der im Alltag häufiger zum Einsatz kommt.
Aufdach oder Unterglas: die Entscheidung
Beide Bauarten haben ihre Berechtigung, lösen aber verschiedene Aufgaben. Die Frage lautet nicht, welche besser ist, sondern wogegen die Anlage helfen soll.
- Der Raum wird im Sommer zu heiß: Aufdach, alles andere ist ein Kompromiss.
- Es blendet beim Sitzen oder Arbeiten: Unterglas genügt und altert langsamer.
- Beides: Aufdach für die Temperatur, ergänzt um Senkrechtmarkisen an der Fassade.
- Nachrüstung an bestehendem Wintergarten: zuerst klären, ob die Sparren die Last aufnehmen.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Aufdach oder Unterglas, was ist besser?+
Gegen Hitze eindeutig Aufdach. Eine außenliegende Markise erreicht einen Abminderungsfaktor um 0,5 und hält damit etwa die Hälfte der Sonnenenergie ab, ein innenliegender Sonnenschutz kommt auf rund 0,9, also etwa ein Zehntel. Gegen Blendung reicht dagegen die Unterglaslösung, und sie hält länger, weil sie dem Wetter nicht ausgesetzt ist.
Warum hilft eine Innenbeschattung so wenig gegen Wärme?+
Weil die Energie das Glas bereits passiert hat. Sonnenlicht dringt kurzwellig ein, wird an Oberflächen in Wärmestrahlung umgewandelt und kann als solche nicht mehr durch das Glas hinaus. Eine Bahn unter dem Glas verschattet den Blick, schließt die Wärme aber im Raum beziehungsweise im Zwischenraum ein.
Kann ich eine Aufdachmarkise nachrüsten?+
Häufig ja, aber es hängt an der Konstruktion. Die Führungsschienen und die Anlage werden an den Sparren befestigt, nicht an der Eindeckung. Zu klären ist, ob die vorhandenen Sparren die zusätzliche Last aufnehmen und ob der Hersteller des Wintergartens die Nachrüstung freigibt.
Braucht die Aufdachmarkise Führungsschienen?+
Ja. Auf einer geneigten Fläche würde eine frei laufende Bahn bei Wind sofort ausbrechen. Die Schienen sitzen seitlich auf den Sparren und halten das Tuch in geringem Abstand über dem Glas, sodass Luft zirkulieren und Wärme abgeführt werden kann.
Reicht eine Dachbeschattung allein?+
Im Hochsommer meist ja, weil die Sonne dann steil auf das Dach fällt. Im Frühjahr und Herbst steht sie flach und trifft die senkrechten Glasflächen, wo eine Dachanlage nichts ausrichtet. Für ganzjährige Nutzung ist die Kombination mit Senkrechtmarkisen an der Fassade die vollständige Lösung.
