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Bauart

Pergolamarkise: große Flächen beschatten, auch freistehend

Die Pergolamarkise steht auf eigenen Stützen und führt das Tuch seitlich in Schienen. Das erlaubt Flächen, an denen eine frei tragende Markise längst aufgibt. Beim Regen endet der Vorteil früher, als die Prospekte vermuten lassen.

Gelenkarmmarkise an einer modernen Terrasse vor Alpenlandschaft
Inhaltsübersicht
Die Kernfrage

Führung und Stützen machen sie windstabil und großflächig. Für dauerhaften Regenschutz braucht es mindestens 14 Grad Neigung und ein dafür freigegebenes Tuch.

Stützen vorne, Schienen an der Seite

Die Gelenkarmmarkise trägt sich selbst: Ihre Arme drücken das Ausfallprofil nach vorne, die gesamte Last hängt an der Wand. Die Pergolamarkise verzichtet auf dieses Prinzip. Sie ruht vorne auf zwei oder mehr Stützen, und das Tuch läuft seitlich in Führungsschienen, die zwischen Wandprofil und Stütze gespannt sind.

Damit ändert sich die Statik grundlegend. Die Last geht nicht mehr allein in die Fassade, sondern zu einem großen Teil senkrecht in den Boden. Das Tuch flattert nicht, weil die Ränder geführt sind, und es hängt nicht durch, weil Spannsysteme in den Schienen es straff halten.

Der Preis dafür sind die Stützen. Sie stehen im Weg, wo vorher nichts stand, und sie brauchen einen tragfähigen Untergrund. Wer den offenen Laufweg vor der Terrasse braucht, ist mit der frei tragenden Bauart besser bedient und akzeptiert deren Größengrenze.

Vierzehn Grad: die Zahl, die über Regeneinsatz entscheidet

Für den Einsatz bei Regen gilt eine Mindestneigung von 14 Grad. Unterhalb dieses Werts läuft das Wasser nicht zuverlässig ab, sondern sammelt sich in der Fläche. Es entsteht ein Wassersack, der mit jedem Liter schwerer wird und dabei genau die Stelle belastet, an der er sich gebildet hat.

Ein Wassersack ist kein Schönheitsfehler. Er dehnt das Gewebe dauerhaft, kann Nähte aufziehen und im Extremfall Ausfallprofil oder Gelenke verbiegen. Ist das Tuch einmal gelängt, bleibt die Delle, und der nächste Regen füllt sie schneller.

Bei der Planung heißt das: Die Neigung ist kein Geschmacksthema. Sie steht in direkter Konkurrenz zur Kopffreiheit, weil jedes Grad die Vorderkante senkt. Bei einer Anlage mit vier Metern Ausfall kostet der Weg von acht auf vierzehn Grad rund vierzig Zentimeter Höhe an der Front. Wer diese Höhe nicht hat, hat keine Regenmarkise, egal was das Datenblatt verspricht.

Pergolamarkise: große Flächen beschatten, auch freistehend
Eine passende Markise verbindet Schattenfläche, Windlage und Montagegrund.

Regenabweisend ist nicht wasserdicht

Die beiden Begriffe werden im Verkauf gern vermischt, beschreiben aber verschiedene Produkte. Ein regenabweisendes Tuch ist imprägniert und lässt leichten Niederschlag abperlen. Hersteller geben dafür typischerweise an, dass die Anlage nicht länger als etwa zwei Stunden im Regen ausgefahren bleiben soll.

Wasserdichte Systeme sind konstruktiv anders gebaut. Das Gewebe ist beschichtet, die Nähte sind verschweißt statt genäht, und die seitlichen Führungsschienen enthalten eine Ablaufrinne, die das Wasser nach vorne leitet. Bei diesen Anlagen ist der dauerhafte Verbleib im Freien vorgesehen, solange die Entwässerung funktioniert.

Der Unterschied zeigt sich im Detail der Führung: Bei geschlossenen Systemen ragt die Tuchkante in die Schiene hinein, sodass zwischen Gewebe und Profil kein Spalt bleibt. Genau dieser Spalt ist bei einfacheren Ausführungen der Punkt, an dem Wasser durchkommt, obwohl das Tuch selbst dicht ist.

Windstabilität als eigentliche Stärke

Weil das Tuch beidseitig geführt ist und die Konstruktion auf Stützen steht, erreichen Pergolamarkisen deutlich höhere Windbeständigkeiten als frei tragende Anlagen. Hersteller nennen für ihre Systeme Werte bis in den Bereich von 100 Kilometern pro Stunde.

Diese Angabe gilt, wie bei jeder Markise, für die geprüfte Anlage samt Befestigung. Eine Stütze, die auf einer zu dünnen Betonplatte verschraubt ist, hebt die ganze Berechnung auf. Bei freistehenden Anlagen gehören Punktfundamente in frostfreier Tiefe dazu, bei wandmontierten muss zusätzlich das Wandprofil die Horizontallast aufnehmen.

Für windoffene Lagen ist das der eigentliche Grund, zu dieser Bauart zu greifen. Wo eine Gelenkarmmarkise ab Windstärke sechs eingefahren gehört, kann eine geführte Anlage stehen bleiben, und genau das macht den Unterschied zwischen einer Beschattung, die man nutzt, und einer, die vorsichtshalber eingefahren bleibt.

Wandmontiert oder freistehend

In der wandmontierten Ausführung liegt die hintere Seite auf einem Profil an der Hausfassade, vorne stehen zwei Stützen. Das ist der übliche Fall an einer Terrasse hinter dem Haus und der günstigere von beiden, weil nur zwei Fundamente nötig sind.

Die freistehende Variante hat vier oder mehr Stützen und kommt ohne Gebäude aus. Sie eignet sich für einen Sitzplatz im Garten, für die Gastronomie oder dort, wo die Fassade die Last nicht aufnehmen kann, etwa bei Wärmedämmverbundsystemen mit ungeklärter Untergrundsituation.

Der Fundamentaufwand wird regelmäßig unterschätzt. Punktfundamente bedeuten Aushub, Beton und Aushärtezeit, und sie müssen vor der Montage fertig sein. Bei einer bestehenden Terrasse heißt das, den Belag an den Stützenpositionen zu öffnen. Diese Nebenarbeiten gehören ins Angebot, sonst steht in der Endabrechnung eine Position, mit der niemand gerechnet hat.

Wo das Lamellendach die bessere Antwort ist

Das Lamellendach sieht ähnlich aus, arbeitet aber anders. Statt eines Tuchs trägt es drehbare Aluminiumlamellen, die sich stufenlos öffnen und schließen lassen. Geschlossen bilden sie ein festes Dach, geöffnet lassen sie Luft und Licht durch.

Daraus ergeben sich zwei Vorteile. Der Wetterschutz ist vollwertig, weil geschlossene Lamellen auch Starkregen abhalten und nicht auf eine Mindestneigung angewiesen sind. Und die Beschattung ist dosierbar: Man kann Schatten haben und trotzdem lüften, was unter einem geschlossenen Tuch nicht geht.

Dem stehen Kosten und Bauweise gegenüber. Ein Lamellendach ist erheblich teurer, deutlich schwerer und in der Wirkung ein Bauwerk, kein Sonnenschutz. Wer im Sommer Schatten will und den Rest des Jahres freien Himmel, fährt mit der Pergolamarkise besser: Sie verschwindet, wenn sie nicht gebraucht wird.

Pergolamarkise, Gelenkarmmarkise und Lamellendach
GelenkarmmarkisePergolamarkiseLamellendach
Stützen vornekeinejaja
Tuchführungfreiseitlich in Schienenfeste Lamellen
Windbeständigkeitbegrenzthochsehr hoch
Regennicht vorgesehenab 14 Grad Neigung, je nach Systemvollständig
Beschattung dosierbarneinneinja
Eingefahren unsichtbarjajanein
Fundament nötigneinjaja

Vor der Bestellung zu klären

Bei dieser Bauart entscheiden Nebenpunkte über das Ergebnis, weil die Anlage in den Boden und in die Fassade eingreift.

  • Erreichbare Neigung bei gewünschter Durchgangshöhe, denn unter 14 Grad entfällt der Regeneinsatz
  • Wasserdicht oder regenabweisend, mit der Herstellerangabe zur maximalen Verweildauer im Regen
  • Untergrund an den Stützenpositionen und ob Punktfundamente nötig sind
  • Wohin das Wasser abläuft, und ob eine Rinne oder ein Ablauf vorgesehen ist
  • Windwiderstandsklasse für die konkrete Größe, nicht für die Baureihe

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Ist eine Pergolamarkise wasserdicht?

Nur, wenn sie ausdrücklich so gebaut ist. Wasserdichte Systeme haben beschichtete Tücher, verschweißte Nähte und eine Wasserführung in den Seitenschienen. Regenabweisende Ausführungen perlen leichten Niederschlag ab, sollen laut Herstellerangabe aber meist nicht länger als etwa zwei Stunden im Regen ausgefahren bleiben.

Welche Neigung braucht die Anlage?

Für den Regeneinsatz mindestens 14 Grad. Darunter bilden sich Wassersäcke, die das Gewebe dehnen und im Extremfall die Konstruktion beschädigen. Weil jedes Grad Neigung die Vorderkante senkt, konkurriert dieser Wert direkt mit der Durchgangshöhe und gehört deshalb vor der Bestellung geklärt.

Braucht eine Pergolamarkise ein Fundament?

Bei freistehenden Anlagen ja, üblicherweise Punktfundamente in frostfreier Tiefe. Bei wandmontierten Ausführungen tragen zwei vordere Stützen, die ebenfalls einen tragfähigen Untergrund brauchen. Auf einer dünnen Betonplatte verschraubte Stützen entwerten die angegebene Windbeständigkeit.

Pergolamarkise oder Lamellendach?

Für Sonnenschutz mit gelegentlichem Regenschutz die Pergolamarkise: Sie ist günstiger und verschwindet, wenn man sie nicht braucht. Für ganzjährig nutzbaren Außenraum das Lamellendach, weil es Starkregen unabhängig von der Neigung abhält und Schatten und Belüftung getrennt regelt.

Wie groß darf eine Pergolamarkise werden?

Deutlich größer als eine frei tragende Anlage, weil die Last über die Stützen in den Boden geht. Systeme decken Breiten bis in den einstelligen Meterbereich ab, größere Flächen werden über gekoppelte Felder mit zusätzlichen Stützen gelöst. Die Grenze setzt in der Praxis weniger das System als der Platz für Stützen und Fundamente.

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