Die Klasse im Datenblatt gilt für die geprüfte Anlage samt Befestigung. Im falschen Untergrund ist sie nichts wert.
Drei Klassen, und was sie bedeuten
Die europäische Produktnorm EN 13561 teilt Markisen in Windwiderstandsklassen ein. Grundlage ist der Staudruck in Newton je Quadratmeter, den die ausgefahrene Anlage aushalten muss. Daraus leitet sich ab, bis zu welcher Windstärke sie ausgefahren bleiben darf.
Klasse 1 entspricht 40 Newton je Quadratmeter und endet bei Windstärke 4, also bei 20 bis 27 Kilometern pro Stunde. Klasse 2 liegt bei 70 Newton und Windstärke 5, das sind 28 bis 37 Kilometer pro Stunde. Klasse 3 erreicht 110 Newton und Windstärke 6, also 38 bis 48 Kilometer pro Stunde. Anlagen ohne ausgewiesene Klasse fallen unter Klasse 0 und liegen unter 40 Newton.
Der Sprung zwischen den Klassen ist kein linearer. Von Klasse 1 auf Klasse 3 verdreifacht sich der zulässige Druck fast, und das schlägt sich in Armstärke, Ausfallprofil und vor allem in der Zahl und Art der Befestigungspunkte nieder.
| Klasse | Staudruck | Windstärke | Geschwindigkeit | Bezeichnung |
|---|---|---|---|---|
| Klasse 0 | unter 40 N/m² | keine Angabe | nicht klassifiziert | |
| Klasse 1 | 40 N/m² | Beaufort 4 | 20 bis 27 km/h | mäßige Brise |
| Klasse 2 | 70 N/m² | Beaufort 5 | 28 bis 37 km/h | frische Brise |
| Klasse 3 | 110 N/m² | Beaufort 6 | 38 bis 48 km/h | starker Wind |
| ab Beaufort 7 | keine Klasse | ab 49 km/h | einfahren, ohne Ausnahme |
Warum es keine sturmfeste Markise gibt
Klasse 3 ist das Ende der Skala. Windstärke 7 beginnt bei 49 Kilometern pro Stunde, und dafür ist keine Markise dieser Bauart zugelassen. Wer eine Beschattung sucht, die auch bei kräftigem Wind stehen bleibt, sucht keine Markise, sondern ein Lamellendach oder eine feste Überdachung.
Der Grund liegt in der Konstruktion. Eine ausgefahrene Markise ist eine gespannte Fläche, die an einem Ende frei in der Luft hängt. Der Winddruck wirkt über den gesamten Ausfall als Hebel auf die Befestigung. Eine Verdopplung der Fläche verdoppelt die Last, und eine Böe erzeugt kurzfristig ein Vielfaches des Mittelwerts.
Hinzu kommt die Richtung. Gefährlich ist nicht der Wind, der von oben auf das Tuch drückt, sondern der, der von unten dagegen fährt. Er hebt die Fläche an, arbeitet gegen die Federkraft der Arme und kann das Ausfallprofil nach oben schlagen lassen. Genau diese Belastung tritt an Hausecken, über Balkonbrüstungen und in Innenhöfen mit Düseneffekt auf.

Die Klasse gilt für die Anlage mit ihrer Befestigung
Ein Punkt, der in Prospekten selten deutlich wird: Geprüft und klassifiziert wird das Gesamtsystem, also die Markise einschließlich der Art, wie sie befestigt ist. Die Klasse beschreibt nicht das Tuch und nicht das Gestell allein.
Daraus folgt, dass eine Anlage der Klasse 3 diese Klasse verliert, sobald sie in einem Untergrund steckt, der die Auszugskräfte nicht aufnimmt. Zu kurze Dübel im Hochlochziegel, zu geringe Randabstände, eine Konsole, die nicht für die Dämmstärke ausgelegt ist: In all diesen Fällen steht im Datenblatt eine Zahl, die für die montierte Anlage nicht mehr gilt.
Deshalb gehört zur Klasse immer die Frage nach dem Dübelplan. Ein Fachbetrieb kann sagen, wie viele Befestigungspunkte die konkrete Größe braucht und welches Befestigungsmittel für den vorhandenen Wandaufbau vorgesehen ist. Fehlt diese Angabe im Angebot, ist die Windklasse eine unverbindliche Zahl.
Wo der Windsensor hingehört
Ein Windwächter misst die Geschwindigkeit und fährt die Anlage ein, sobald ein eingestellter Schwellenwert über eine definierte Zeit überschritten wird. Die Verzögerung ist Absicht, sonst würde jede einzelne Böe die Markise einfahren.
Entscheidend ist die Position. Der Sensor gehört an die windexponierteste Stelle der Anlage, üblicherweise außen am Ausfallprofil oder am Wandprofil auf der Wetterseite. Sitzt er in einer geschützten Ecke, misst er nicht das, was auf die Fläche wirkt, und löst zu spät aus.
Der Schwellenwert wird bei der Inbetriebnahme eingestellt und sollte zur Windklasse der Anlage passen, nicht zum persönlichen Komfortempfinden. Wer ihn hochsetzt, weil die Markise zu oft einfährt, hebelt den Schutz aus, für den er bezahlt hat. Steht sie tatsächlich zu häufig ein, liegt das Problem beim Standort, nicht beim Sensor.
Regen: Neigung entscheidet, nicht das Tuch
Für Regen gilt eine einfache Reihenfolge: Erst muss das Wasser ablaufen können, dann erst spielt die Beschaffenheit des Gewebes eine Rolle. Sammelt sich Wasser in einer zu flach eingestellten Fläche, bildet sich ein Wassersack, der das Tuch dehnt und die Konstruktion belastet. Welche Mindestneigung dafür nötig ist, steht bei der Pergolamarkise.
Selbst bei richtiger Neigung ist ein Markisentuch kein Dach. Die üblichen Gewebe sind wasserabweisend ausgerüstet, erreichen aber Werte, die deutlich unter dem liegen, was Normen für Regenschutz verlangen. Details dazu stehen beim Markisenstoff.
Für die Praxis heißt das: kurzer Schauer mit ausreichender Neigung ist unkritisch, Dauerregen nicht. Und in Kombination mit Wind wird ohnehin der Windwächter zuerst reagieren.
Winter und Zwischensaison
In Österreich steht die Markise die längere Hälfte des Jahres eingefahren, und die Belastungen dieser Zeit sind andere. Schnee auf einer ausgefahrenen Fläche ist die kritischste: Nasser Schnee wiegt ein Vielfaches von Regen und liegt statt abzulaufen. Keine Markise dieser Bauart ist für Schneelast ausgelegt.
Die zweite Belastung ist Feuchtigkeit im aufgerollten Zustand. Ein nass eingefahrenes Tuch trocknet in der Rolle kaum und bildet Stockflecken, die sich später nicht mehr entfernen lassen. Nach Regen also ausgefahren lassen, bis das Gewebe durchgetrocknet ist.
Und ein Detail, das Bedienungsanleitungen ausdrücklich nennen: Bei Frost darf die Anlage nicht bewegt werden. Gefrorenes Gewebe ist steif, und die Mechanik arbeitet gegen einen Widerstand, mit dem sie nicht rechnet. Wer im Winter die Kassette öffnen will, wartet auf Plusgrade.
Woran Sie eine windgerecht geplante Anlage erkennen
Diese fünf Angaben gehören zusammen. Fehlt eine, ist die Windklasse allein keine belastbare Aussage.
- Windwiderstandsklasse für die konkrete Größe, nicht für die Baureihe
- Dübelplan mit Anzahl der Befestigungspunkte und vorgesehenem Befestigungsmittel
- Feststellung des Wandaufbaus, im Zweifel durch Probebohrung statt Annahme
- Windwächter mit Position an der Wetterseite und eingestelltem Schwellenwert
- Bei gedämmter Fassade: benanntes Konsolensystem für die vorhandene Dämmstärke
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Bis zu welcher Windstärke darf eine Markise ausgefahren bleiben?+
Das hängt von der Windwiderstandsklasse ab. Klasse 1 endet bei Windstärke 4, also 20 bis 27 Kilometern pro Stunde, Klasse 2 bei Windstärke 5 mit 28 bis 37, Klasse 3 bei Windstärke 6 mit 38 bis 48 Kilometern pro Stunde. Ab Windstärke 7 gibt es keine Freigabe mehr, unabhängig vom Modell.
Gibt es eine sturmfeste Markise?+
Nein. Klasse 3 ist die höchste Stufe der Norm und endet bei rund 48 Kilometern pro Stunde. Wer eine Beschattung braucht, die bei kräftigem Wind stehen bleibt, ist bei einem Lamellendach oder einer festen Überdachung richtig, nicht bei einer Markise.
Warum ist Wind von unten gefährlicher als von oben?+
Weil er die Fläche anhebt und gegen die Federkraft der Gelenkarme arbeitet. Die Markise ist auf Druck von oben und auf Zug entlang der Arme ausgelegt, nicht auf eine Kraft, die das Ausfallprofil nach oben schlägt. Solche Belastungen treten an Hausecken, über Brüstungen und in Innenhöfen auf.
Reicht ein Windsensor als Schutz?+
Er ist die wichtigste Einzelmaßnahme, ersetzt aber weder die passende Windklasse noch eine korrekte Befestigung. Er muss an der windexponiertesten Stelle sitzen und auf einen Schwellenwert eingestellt sein, der zur Klasse der Anlage passt. Wer den Wert hochsetzt, weil die Markise zu oft einfährt, hebt den Schutz auf.
Darf die Markise bei Frost bewegt werden?+
Nein. Gefrorenes Gewebe ist steif, und die Mechanik arbeitet gegen einen unerwarteten Widerstand, was Tuch, Welle und Antrieb beschädigen kann. Bedienungsanleitungen schließen den Betrieb bei Frost aus. Ebenso wenig ist die Bauart für Schneelast ausgelegt.
