In den sechs Altstadt-Schutzzonen braucht jede Markise eine Bewilligung der Stadt mit Gutachten der Altstadt-Sachverständigenkommission. Außerhalb entscheidet der Untergrund über die Anlage, nicht die Windlage.
Hitze in der Beckenlage
Die Zahlen der Messstation Graz-Universität zeigen, wohin sich die Stadt bewegt: 2014 waren es 8 Hitzetage mit mindestens 30 Grad, 2024 waren es 39. Die Tropennächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt, stiegen im selben Zeitraum von null auf elf. Die Werte stammen aus den Stationsdaten von GeoSphere Austria, aufbereitet im Gesundheitsbericht Steiermark.
Am stärksten trifft das die dicht bebauten Viertel innerhalb des Gürtels. Gründerzeithöfe speichern die Wärme des Tages, und eine west- oder südseitige Wohnung heizt sich über die Glasflächen auf, lange bevor die Terrasse benutzt wird. Eine Markise wirkt dort in zwei Richtungen: Sie beschattet den Sitzplatz, und sie hält die Strahlung von der Scheibe fern, bevor die Wärme im Raum ist.
Für die Bauart bedeutet das: Bei Westlage reicht die waagrechte Fläche allein oft nicht, weil die Abendsonne flach darunter durchscheint. Ein Volant oder eine Senkrechtmarkise vor der Brüstung fängt genau diesen Anteil ab.
Wind: Graz ist der Ausnahmefall
Fast überall in Österreich begrenzt der Wind die Größe einer frei tragenden Markise. Im Grazer Feld ist das anders. Die Umweltinformation des Landes beschreibt die Klimaregion als ausgesprochen windarm: Im Winterhalbjahr erreicht die Häufigkeit von Windstille in einzelnen Abschnitten 60 bis 70 Prozent, die mittlere Windgeschwindigkeit liegt oft unter einem Meter pro Sekunde, und die Inversionsgefährdung beträgt 70 bis 80 Prozent, wie die Klimaregion Grazer Feld des Landes Steiermark festhält.
Daraus folgt für die Planung: Eine Gelenkarmmarkise kann in Graz bis an ihre konstruktive Größengrenze gehen, ohne dass die Windlage die Entscheidung vorwegnimmt. Die Windwiderstandsklasse bleibt trotzdem die maßgebliche Kennzahl, denn die Beckenlage schützt vor Dauerwind, nicht vor Gewitterböen im Sommer. Bei motorisierten Anlagen ist der Windwächter deshalb auch hier ein Schutzbauteil.
Zwei Einschränkungen gelten. Die Aussage betrifft die Beckenlage, nicht die Hanglagen am Stadtrand, wo Wind über die Kuppen streicht. Und sie betrifft die Windlast, nicht die Hitze: Wo wenig Wind weht, staut sich unter einem dunklen Tuch die Wärme, was bei der Farbwahl zählt.
Altstadt: das Gesetz nennt Markisen ausdrücklich
Graz hat sechs Altstadt-Schutzzonen. Zone I entspricht dem UNESCO-Weltkulturerbe innerhalb des ehemaligen Renaissance-Befestigungsgürtels, die weiteren Zonen legen sich in Ringen darum. Welche Adresse in welcher Zone liegt, zeigt die Stadt Graz auf ihrer Seite zu den Schutzzonen.
Maßgeblich ist das Grazer Altstadterhaltungsgesetz 2008. Dessen § 7 Abs 3 zählt bewilligungspflichtige Maßnahmen auf und nennt dabei ausdrücklich den Umbau „einschließlich der Anbringung von Markisen, Vordächern, Solar- und Antennenanlagen sowie von Werbe- und Ankündigungseinrichtungen", nachzulesen im Rechtsinformationssystem. Die Bewilligung erteilt die Stadt Graz. Vor der Entscheidung ist nach § 10 Abs 2 ein Gutachten der Altstadt-Sachverständigenkommission einzuholen.
Für die Praxis heißt das: In der Schutzzone ist die Markise ein Bauvorhaben mit Verfahren, nicht eine Bestellung. Farbe, Form und Ausladung werden am Ensemble gemessen. Eine gedeckte Farbe und eine Bauart, die eingefahren im Gesims verschwindet, haben es leichter als eine auffällige Kassette. Wer in der Altstadt plant, klärt die Zone vor dem Aufmaß und rechnet das Verfahren in den Zeitplan ein.
Über dem Gehsteig: die Maße stehen im Baugesetz
Ragt eine Markise über die Grundgrenze in den Straßenraum, gilt in der Steiermark § 12 des Baugesetzes. Nach Abs 1 Z 2 dürfen Markisen, ebenso wie Balkone, Erker und Schutzdächer, bis zu 1,5 Meter über die Baugrenzlinie vortreten. Dabei müssen sie mindestens 4,5 Meter über der Verkehrsfläche liegen. Ist der Gehsteig breiter als 2 Meter, genügen 3 Meter. Der Wortlaut steht im Steiermärkischen Baugesetz § 12.
Betroffen sind vor allem Geschäftslokale und Lokale mit Gastgarten sowie Erdgeschosswohnungen an der Straße. Für Balkone in den oberen Geschossen ist die Höhe meist kein Thema, die Ausladung dagegen schon: Eine Anlage mit drei Metern Ausfall an einem Balkon von 1,2 Metern Tiefe ragt weit in den Straßenraum, und für die Nutzung öffentlichen Grundes gelten eigene Regeln der Stadt.
Außerhalb der Schutzzonen
Außerhalb der Altstadt gibt es im Steiermärkischen Baugesetz keine eigene Ziffer für Markisen. § 21 zählt die meldepflichtigen Vorhaben auf und nennt dort Umbauten, die die äußere Gestaltung nicht verändern, Sonnenschutzanlagen aber nicht ausdrücklich. Ob eine konkrete Markise melde- oder bewilligungsfrei ist, sagt das Bauamt der Stadt, und die Frage lohnt bei größeren Anlagen an Straßenfassaden.
Häufiger als das Baurecht greift in Graz das Wohnrecht. Ein großer Teil des Bestands sind Eigentumswohnungen in Anlagen mit vielen Parteien. Dort läuft die Markise über die Verständigung der übrigen Wohnungseigentümer mit zweimonatiger Widerspruchsfrist; die Regeln dazu stehen beim Markisenkauf. In Mietwohnungen braucht es die Zustimmung des Vermieters, sobald in Fassade oder Brüstung gebohrt wird.
| Lage | Was gilt | Wer entscheidet |
|---|---|---|
| Altstadt-Schutzzone I bis VI | Bewilligung nach § 7 Abs 3 GAEG 2008 | Stadt Graz, mit Gutachten der Altstadt-Sachverständigenkommission |
| Markise über dem Gehsteig | bis 1,5 m Ausladung, mindestens 4,5 m Höhe, 3 m bei Gehsteig über 2 m Breite | § 12 Stmk. Baugesetz, Nutzung öffentlichen Grundes: Stadt Graz |
| Eigentumswohnung | Verständigung der Miteigentümer, zwei Monate Widerspruchsfrist | § 16 Abs 5 WEG 2002 |
| Mietwohnung | Zustimmung des Vermieters bei Bohrung in Fassade oder Brüstung | Vermieter, Hausordnung |
| Freie Fassade außerhalb der Schutzzonen | keine eigene Ziffer im Baugesetz | Auskunft beim Bauamt der Stadt |
Untergrund: Gründerzeit und Wärmedämmung
Die Grazer Gründerzeitviertel haben massive Ziegelwände, die eine Wandkonsole ohne Weiteres aufnehmen. Das Hindernis ist dort selten die Tragfähigkeit, sondern die Fassade selbst: Stuck, Gesimse und Fensterverdachungen lassen oft keinen durchgehenden Streifen für das Wandprofil frei, und in der Schutzzone dürfen sie nicht angetastet werden. Die Deckenmontage an der Balkonplatte ist dann häufig der bessere Weg.
Sanierte Bestandsbauten und die Wohnanlagen der letzten Jahrzehnte tragen fast durchgehend ein Wärmedämmverbundsystem. Die Last muss durch die Dämmung in die tragende Wand, über ein Abstandssystem oder eine Konsole, die zur Dämmstärke passt. Diese Position gehört im Angebot benannt, mit Systembezeichnung und Dämmstärke, sonst ist die zugesagte Windwiderstandsklasse nicht belegt.
Vor dem Angebot in Graz klären
Vier Fragen, die den Ablauf bestimmen, bevor ein Betrieb das Aufmaß nimmt.
- Liegt die Adresse in einer der sechs Altstadt-Schutzzonen? Dann beginnt das Vorhaben mit dem Bewilligungsantrag, nicht mit der Bestellung.
- Ragt die Anlage über die Grundgrenze in den Straßenraum? Dann gelten die Maße aus § 12 des Baugesetzes.
- Eigentumswohnung oder Miete? Im ersten Fall läuft die Zwei-Monats-Frist, im zweiten braucht es die Zustimmung des Vermieters.
- Ziegelwand, Balkonplatte oder gedämmte Fassade? Der Untergrund entscheidet über Montageart und Befestigungsmittel.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Brauche ich in Graz eine Bewilligung für eine Markise?+
In den sechs Altstadt-Schutzzonen ja. § 7 Abs 3 des Grazer Altstadterhaltungsgesetzes 2008 nennt die Anbringung von Markisen ausdrücklich, die Stadt entscheidet nach Gutachten der Altstadt-Sachverständigenkommission. Außerhalb der Schutzzonen führt das Baugesetz keine eigene Ziffer für Markisen; das Bauamt der Stadt gibt Auskunft.
Wie weit darf eine Markise über den Gehsteig ragen?+
Nach § 12 Abs 1 Z 2 des Steiermärkischen Baugesetzes bis zu 1,5 Meter über die Baugrenzlinie, bei einer Höhe von mindestens 4,5 Metern über der Verkehrsfläche. Bei Gehsteigen über 2 Metern Breite genügen 3 Meter Höhe. Für die Nutzung öffentlichen Grundes gelten zusätzlich die Regeln der Stadt.
Ist Wind in Graz ein Thema für die Markise?+
Weniger als fast überall sonst. Das Grazer Feld ist ausgesprochen windarm, im Winterhalbjahr herrscht in einzelnen Abschnitten zu 60 bis 70 Prozent Windstille. Eine frei tragende Anlage kann deshalb groß ausfallen. Gewitterböen im Sommer gibt es trotzdem, weshalb Windklasse und Windwächter auch hier zählen, und Hanglagen am Stadtrand sind vom Beckenklima ausgenommen.
Welche Bauart passt zu einem Grazer Innenhof?+
Bei geschützter Lage und massiver Ziegelwand die Gelenkarm- oder Kassettenmarkise, gern groß, weil der Wind sie kaum begrenzt. Bei Westlage ergänzt eine Senkrechtmarkise vor der Brüstung, weil die Abendsonne flach unter jede waagrechte Fläche fällt. In der Schutzzone entscheidet zusätzlich das Ensemble über Farbe und Bauform.
Welche Betriebe montieren Markisen in Graz?+
Praun & Partner sitzt in Graz-St. Peter. D&M Sonnenschutz bedient Graz von Kirchberg an der Raab aus und nennt als Einsatzgebiet die Region von Weiz bis Fürstenfeld und von Hartberg bis Radkersburg. Hellsan aus St. Marein im Mürztal gibt Graz, Kapfenberg und Leoben als Tätigkeitsgebiet an. Alle drei führen Gelenkarm-, Kassetten-, Pergola- und Senkrechtmarkisen und bieten Reparatur und Neubespannung.
