Ein Markisentuch ist wasserabweisend, nicht wasserdicht. Die Werte liegen weit unter dem, was Normen für Regenschutz verlangen.
Wo die Farbe sitzt
Acrylgewebe für Markisen sind spinndüsengefärbt. Das Pigment wird der Spinnmasse zugesetzt, bevor die Faser entsteht, und sitzt danach im gesamten Querschnitt. Bleicht die Oberfläche aus, liegt darunter dieselbe Farbe. Die Faser kann sich abnutzen, ohne dass der Farbton kippt.
Polyester wird häufig anders eingefärbt, entweder durch Bedrucken oder als garngefärbtes Material. Die Farbe sitzt dann außen, und genau dort greift die UV-Strahlung an. Unbehandeltes Polyester ist zudem nicht UV-beständig und braucht eine wirksame Ausrüstung, damit es im Außeneinsatz überhaupt taugt.
Es gibt auch spinndüsengefärbtes Polyester, das die Farbstabilität von Acryl weitgehend erreicht. Wer Polyester in Betracht zieht, sollte also nicht nach dem Material fragen, sondern nach der Färbeart und dem UV-Schutz. Steht dazu nichts im Datenblatt, ist das die Antwort.
Was Acryl und Polyester praktisch unterscheidet
Acryl ist der Standard im Fachhandel. Es hält die Farbe lange, blockt einen hohen Anteil der UV-Strahlung und fühlt sich weicher an. Dem stehen ein höherer Preis und ein größeres Gewicht gegenüber, was bei sehr großen Anlagen die Auslegung von Federn und Antrieb beeinflusst.
Polyester ist leichter und reißfester bei gleicher Dicke. Das macht es für schmale Anlagen und für Bespannungen interessant, die häufig bewegt werden. Der Preis liegt niedriger, was Polyester im Baumarktsegment dominieren lässt.
Für die typische Terrassenmarkise, die zwölf Jahre halten soll, ist spinndüsengefärbtes Acryl die haltbarere Wahl. Für eine kleine Balkonmarkise, die nach fünf Jahren ohnehin ersetzt wird, ist der Aufpreis schwer zu begründen.
| Acryl | Polyester | |
|---|---|---|
| Übliche Färbung | spinndüsengefärbt | bedruckt oder garngefärbt |
| Farbbeständigkeit | sehr hoch | abhängig von Färbeart und UV-Schutz |
| UV-Beständigkeit | hoch | nur mit Ausrüstung |
| Gewicht | höher | geringer |
| Reißfestigkeit | gut | höher bei gleicher Dicke |
| Preisniveau | höher | niedriger |
| Passt zu | Terrassenanlage mit langer Nutzung | kleiner Anlage, häufigem Wechsel |

Wasserabweisend ist nicht wasserdicht
Markisenstoffe werden imprägniert und erreichen damit typischerweise 350 bis 450 Millimeter Wassersäule. Diese Zahl beschreibt, welchem Wasserdruck das Gewebe standhält, bevor Feuchtigkeit durchtritt, gemessen nach dem Verfahren der DIN EN 20811.
Zum Vergleich lohnt der Blick auf Regenschutzkleidung. Die europäische Norm EN 343 stuft ein Material erst ab 800 Millimetern als wasserdicht der Klasse 2 ein, ab 1.300 Millimetern als Klasse 3. Ein Markisentuch liegt also deutlich darunter, und zwar nicht knapp.
Praktisch heißt das: Leichter Nieselregen perlt ab, solange die Neigung stimmt und das Wasser ablaufen kann. Bei anhaltendem Regen, bei Wind, der Wasser von unten gegen das Gewebe drückt, oder bei stehendem Wasser in einer flach eingestellten Fläche kommt Feuchtigkeit durch. Wer wirklich Regenschutz braucht, kauft kein Tuch, sondern ein Dach.
Die Imprägnierung ist ein Verschleißteil
Ab Werk sind Markisenstoffe mit einer Ausrüstung versehen, die Wasser abperlen lässt und Schmutz das Anhaften erschwert. Diese Schicht liegt auf der Faser und wird durch UV-Strahlung, Reinigung und mechanische Beanspruchung abgetragen.
Nachlassende Imprägnierung erkennt man daran, dass Wasser nicht mehr als Tropfen abrollt, sondern in die Fläche einzieht und dunkle Stellen bildet. Das ist kein Grund für ein neues Tuch. Nachimprägnieren mit einem für das Gewebe freigegebenen Mittel stellt die Eigenschaft weitgehend wieder her und kostet einen Bruchteil der Neubespannung.
Wichtig ist die Reihenfolge: Erst reinigen, vollständig trocknen lassen, dann imprägnieren. Wer auf verschmutztes Gewebe sprüht, versiegelt den Schmutz.
Farbe: mehr als Geschmack
Dunkle Tücher schlucken Licht, blenden weniger und lassen den Bereich darunter ruhiger wirken. Sie heizen sich aber selbst stärker auf und geben diese Wärme nach unten ab, was den Kühleffekt mindert.
Helle Tücher reflektieren mehr und bleiben kühler, lassen aber deutlich mehr Licht durch. Unter einem sehr hellen Tuch entsteht Streulicht, das auf Dauer blendet, besonders bei einem Bildschirmarbeitsplatz im Freien oder auf einer Terrasse mit heller Bodenplatte.
Der übliche Kompromiss sind mittlere Töne. Bei gemusterten Tüchern gilt eine Nebenbeobachtung: Ausbleichen fällt bei kontrastreichen Streifen früher auf als bei einfarbigen Flächen, weil das Auge die Farben direkt nebeneinander vergleicht.
Was normal ist und kein Mangel
Ein neues Tuch sieht selten glatt wie eine Tischdecke aus, und das führt regelmäßig zu Reklamationen, die keine sind. Hersteller beschreiben in ihren Verbraucherinformationen mehrere Erscheinungen als produktionsbedingt.
Knickfalten entstehen beim Konfektionieren und Falten. Im Gegenlicht zeigen sie sich als dunklere Linien, weil die Faser an der Knickstelle das Licht anders bricht. Bei hellen Tüchern ist das deutlicher sichtbar.
Welligkeit im Nahtbereich hat eine mechanische Ursache. An den Nähten liegt das Gewebe doppelt, wodurch die Tuchrolle dort einen größeren Durchmesser bekommt. Zusammen mit der Spannung der Gelenkarme und der leichten Durchbiegung von Welle und Ausfallprofil entstehen sichtbare Wellen. Dazu kommt der Kreideeffekt, helle Streifen aus der Verarbeitung, die sich trotz Sorgfalt nicht immer vermeiden lassen.
Keine dieser Erscheinungen verkürzt die Lebensdauer oder beeinträchtigt die Funktion. Ein Reklamationsgrund sind dagegen durchgehende Risse, sich öffnende Nähte, ungleichmäßiges Ausbleichen an nicht exponierten Stellen und ein Tuch, das schief einläuft.
Im Angebot sollte zum Tuch stehen
Die Farbe allein sagt nichts über die Qualität. Diese Angaben machen zwei Angebote vergleichbar.
- Material und Färbeart, also ob spinndüsengefärbt oder oberflächlich gefärbt
- Kollektions- und Artikelnummer des Gewebes, nicht nur der Farbname
- Freigabe des Gewebes für die vorgesehene Bahnbreite der Anlage
- Angaben zur Ausrüstung gegen Wasser und Schmutz
- Garantiebedingungen zum Tuch, insbesondere ob Ausbleichen ausgenommen ist
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Acryl oder Polyester, was ist besser?+
Für eine Terrassenanlage mit langer Nutzungsdauer spinndüsengefärbtes Acryl, weil die Farbe im Faserinneren sitzt und Ausbleichen dadurch kaum auffällt. Polyester ist leichter, reißfester und günstiger, braucht aber zwingend eine wirksame UV-Ausrüstung. Entscheidend ist weniger das Material als die Färbeart.
Ist ein Markisentuch wasserdicht?+
Nein. Übliche Gewebe erreichen 350 bis 450 Millimeter Wassersäule. Die Norm EN 343 stuft Material erst ab 800 Millimetern als wasserdicht ein. Leichter Regen perlt bei ausreichender Neigung ab, anhaltender Regen und Wind drücken Feuchtigkeit durch.
Mein neues Tuch hat Falten und Wellen an den Nähten, ist das ein Mangel?+
In aller Regel nicht. Knickfalten entstehen beim Falten und Konfektionieren, Welligkeit im Nahtbereich dadurch, dass das Gewebe an den Nähten doppelt liegt und die Rolle dort dicker wird. Hersteller führen beides als produktionsbedingt. Ein Mangel wären Risse, sich öffnende Nähte oder ein schief einlaufendes Tuch.
Kann ich die Imprägnierung erneuern?+
Ja, mit einem für das Gewebe freigegebenen Mittel. Das ist deutlich günstiger als eine Neubespannung und sinnvoll, sobald Wasser nicht mehr abperlt, sondern einzieht. Vorher gründlich reinigen und vollständig trocknen lassen, sonst wird der Schmutz mit versiegelt.
Welche Farbe hält am längsten?+
Bei spinndüsengefärbtem Gewebe halten alle Farben vergleichbar gut, weil das Pigment im Faserinneren sitzt. Auffälliger wird das Ausbleichen bei kontrastreichen Mustern, weil das Auge benachbarte Farben direkt vergleicht. Einfarbige Tücher altern optisch unauffälliger.
