Die Kassette schützt kein bisschen mehr Schatten, sondern verlängert die Lebensdauer des Tuchs. Der Aufpreis rechnet sich über die gesparte Neubespannung.
Was die Kassette überhaupt tut
Eine offene Gelenkarmmarkise liegt eingefahren frei unter dem Wandprofil. Tuchrolle, Welle und die eingeklappten Arme sind Wetter, Staub, Pollen und Vogelkot ausgesetzt. Das Tuch rollt genau den Schmutz ein, der sich in der Ruhezeit darauf abgesetzt hat, und wickelt ihn beim nächsten Ausfahren wieder ab.
Die Kassette ist ein Aluminiumgehäuse, das diesen Zustand beendet. Beim Einfahren schließt sie sich um das Paket, meist über den Volant oder das Ausfallprofil, das die Öffnung wie ein Deckel verschließt. Was drinnen liegt, bleibt trocken.
Auf die Beschattung selbst hat das keinen Einfluss. Eine Kassettenmarkise wirft keinen besseren Schatten und hält keinen Grad mehr Wind aus. Ihr gesamter Nutzen liegt in der eingefahrenen Zeit, und das sind über das Jahr gerechnet die meisten Stunden.
Die Unterseite entscheidet
Bei der Halbkassette umschließt das Gehäuse das Tuchpaket von oben und hinten, unten bleibt es offen. Das Tuch selbst ist damit gegen Regen von oben geschützt, was die häufigste Belastung abdeckt. Die eingeklappten Gelenkarme hängen jedoch frei und bleiben Schmutz und Feuchtigkeit ausgesetzt.
Die Vollkassette schließt zusätzlich nach unten. Tuch, Welle und Arme liegen vollständig im Gehäuse, dreiseitig gekapselt. Genau das erklärt den Aufpreis: Es braucht mehr Material, eine größere Einbautiefe und eine massivere Konstruktion, weil das Gehäuse ein Bauteil mehr aufnehmen und tragen muss.
Praktisch macht sich der Unterschied dort bemerkbar, wo die Anlage vor allem steht statt läuft. Bei einer Ferienimmobilie, einem Zweitwohnsitz oder einer Terrasse, die nur an Wochenenden genutzt wird, arbeitet die Vollkassette den größten Teil des Jahres als Schutzgehäuse. Bei einer täglich benutzten Anlage in geschützter Lage unter einem Dachvorsprung ist der Vorteil kleiner.
| Offene Markise | Halbkassette | Vollkassette | |
|---|---|---|---|
| Tuch geschützt | nein | von oben | vollständig |
| Gelenkarme geschützt | nein | nein | ja |
| Einbautiefe | gering | mittel | groß |
| Sichtbarkeit an der Fassade | gering | mittel | hoch |
| Preisniveau | niedrig | mittel | hoch |
| Passt zu | geschützter Lage unter Dachvorsprung | üblicher Terrasse | freier Fassade, seltener Nutzung |

Einbautiefe: der Grund, warum die Wahl manchmal entfällt
Die Vollkassette baut tiefer und höher. Wo der Platz zwischen Türsturz und Deckenkante knapp ist, oder wo die Anlage unter einen Dachvorsprung passen soll, kann das die Entscheidung vorwegnehmen: Die Halbkassette passt noch, die Vollkassette nicht mehr.
Das gilt besonders bei Deckenmontage und in Balkonsituationen mit geringer lichter Höhe. Vor dem Aufmaß lohnt deshalb der Blick auf die Gehäusemaße im Datenblatt, nicht nur auf Breite und Ausfall. Zwei Anlagen mit identischen Tuchmaßen können sich in der Gehäusetiefe deutlich unterscheiden.
Ein zweiter Punkt betrifft die Optik. Eine geschlossene Kassette ist ein sichtbarer Baukörper an der Fassade und in gestalterisch sensiblen Lagen ein Thema. Halbkassetten tragen weniger auf, offene Anlagen fast gar nicht.
Was der Aufpreis zurückholt
Zwischen offener Anlage, Halb- und Vollkassette liegen bei gleicher Größe spürbare Preisunterschiede. Die Frage ist, ob sich der Aufpreis rechnet, und die Antwort hängt an der Lebensdauer des Tuchs.
Markisentuch ist ein Verschleißteil, das je nach Belastung nach etwa acht bis fünfzehn Jahren erneuert wird. Eine Neubespannung kostet, abhängig von der Größe, zwischen 200 und 1.500 Euro. Ein Tuch, das in der Ruhezeit trocken und sauber liegt, erreicht das obere Ende dieser Spanne eher als eines, das jeden Winter im Freien verbringt.
Damit lässt sich die Entscheidung rechnen statt fühlen. Wenn der Aufpreis zur Vollkassette in der Größenordnung einer Neubespannung liegt und die Anlage dadurch eine Bespannung länger hält, ist sie bezahlt. Steht die Markise ohnehin geschützt unter einem tiefen Dachvorsprung, verschiebt sich die Rechnung zugunsten der einfacheren Bauart.
Kassette und Winterbetrieb
In Österreich steht eine Markise die längere Hälfte des Jahres eingefahren. Genau in dieser Zeit entscheidet sich, wie sie altert. Frost auf feuchtem Gewebe, Tauwasser zwischen den Lagen und Schmutz, der sich mit Nässe verbindet, sind die Belastungen, die eine offene Anlage über den Winter aushalten muss.
Ein geschlossenes Gehäuse verhindert das nicht vollständig, reduziert es aber deutlich. Wichtig bleibt trotzdem eine Regel, die für jede Bauart gilt: Das Tuch wird trocken eingefahren. Wer eine nasse Markise einrollt und wochenlang geschlossen lässt, bekommt Stockflecken, und die Kassette macht es sogar schlimmer, weil die Feuchtigkeit nicht abtrocknen kann.
Für die Praxis heißt das: nach Regen ausgefahren lassen, bis das Gewebe trocken ist, und erst dann einfahren. Bei motorisierten Anlagen mit Sonnenautomatik erledigt sich das oft von selbst, bei Kurbelbetrieb ist es ein bewusster Handgriff.
Wann die Halbkassette genügt
Der Aufpreis zur Vollkassette lohnt nicht in jedem Fall. Diese drei Situationen sprechen für die kleinere Lösung.
- Die Anlage sitzt unter einem tiefen Dachvorsprung oder einem darüberliegenden Balkon und ist von oben ohnehin geschützt.
- Der Platz zwischen Sturz und Decke reicht für die tiefere Vollkassette nicht aus.
- Die Markise wird täglich genutzt und steht selten über längere Zeiträume eingefahren.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Halb- und Vollkassette?+
Die Halbkassette umschließt das eingefahrene Tuch von oben und hinten, unten bleibt sie offen, sodass die eingeklappten Gelenkarme frei liegen. Die Vollkassette schließt auch nach unten und kapselt Tuch, Welle und Arme vollständig. Dafür braucht sie mehr Einbautiefe und kostet mehr.
Lohnt sich der Aufpreis für die Vollkassette?+
Er rechnet sich über die Lebensdauer des Tuchs. Eine Neubespannung kostet je nach Größe 200 bis 1.500 Euro, und ein geschützt gelagertes Tuch hält länger. Steht die Anlage an einer freien Fassade oder wird sie nur zeitweise genutzt, zahlt sich die Vollkassette aus. Unter einem tiefen Dachvorsprung ist der Vorteil gering.
Ist eine Kassettenmarkise windstabiler?+
Nein. Die Kassette schützt das eingefahrene Paket, sie verändert die Statik der ausgefahrenen Anlage nicht. Die Windwiderstandsklasse hängt an Konstruktion, Größe und Befestigung, nicht am Gehäuse.
Kann ich eine offene Markise nachträglich mit einer Kassette versehen?+
In der Regel nicht. Das Gehäuse ist Teil der Tragkonstruktion und nimmt Welle und Arme in definierter Geometrie auf. Nachrüstbar sind allenfalls einfache Schutzdächer über der Tuchrolle, die den Regen von oben abhalten, aber die Anlage nicht kapseln.
Schützt die Kassette vor Stockflecken?+
Nur, wenn das Tuch trocken eingefahren wird. Ein geschlossenes Gehäuse hält Feuchtigkeit von außen ab, lässt eingerolltes Nässe aber auch nicht abtrocknen. Nach Regen sollte die Anlage ausgefahren bleiben, bis das Gewebe trocken ist.
