Sie nimmt die tief stehende Sonne von der Seite und den Blick des Nachbarn. Für Schatten über dem Tisch braucht es eine zweite, waagrechte Anlage.
Eine senkrechte Bahn, quer zur Blickrichtung
Das Tuch sitzt aufgerollt in einer schmalen, senkrecht stehenden Kassette an der Hauswand. Herausgezogen wird es waagrecht, quer zur Terrasse oder zum Balkon, wo es wie eine textile Wand steht. Eingezogen verschwindet es vollständig im Gehäuse.
Daraus ergibt sich die Aufgabe, für die sie gebaut ist: den Blick von der Seite abfangen, den Zugwind zwischen zwei Häusern bremsen und die flache Abend- oder Morgensonne stoppen, gegen die eine waagrechte Markise nichts ausrichtet. Wenn die Sonne im Juli mittags senkrecht steht, wirft eine Seitenmarkise dagegen fast keinen nutzbaren Schatten.
In der Praxis ist sie deshalb selten die einzige Anlage. Sie ergänzt eine Gelenkarmmarkise an der Reihenhausterrasse oder schließt die offene Seite unter einer Überdachung. Wer nur eine einzige Beschattung anschaffen kann und Schatten über dem Esstisch braucht, kauft die falsche Bauart.
Federwelle: die Kraft steckt in der Kassette
Im Inneren sitzt eine vorgespannte Zugfeder auf der Wickelwelle. Sie hält das Tuch beim Ausziehen unter gleichmäßiger Spannung und rollt es beim Lösen selbsttätig wieder auf. Ein Motor ist bei dieser Bauart die Ausnahme, weil die Feder die Arbeit erledigt.
Diese Spannung ist der Grund, warum die Bahn glatt steht und nicht durchhängt. Sie ist zugleich der Grund, warum die Anlage niemals einfach losgelassen werden darf: Eine schnellende Endstange beschädigt Gehäuse, Tuch und im Zweifel eine Hand. Beim Einfahren wird die Stange geführt.
Die Federkraft wirkt permanent auf den Punkt, an dem die ausgezogene Bahn eingehängt ist. Genau dort entscheidet sich, ob die Anlage jahrelang hält oder nach dem zweiten Sommer ausreißt.

Das Gegenlager ist der Schwachpunkt, nicht das Gehäuse
Für die ausgezogene Endstange gibt es drei übliche Lösungen. Ein Wandhaken an der gegenüberliegenden Mauer ist die stabilste, weil die Last direkt ins Mauerwerk geht. Ein Pfosten, im Boden verschraubt oder in einer einbetonierten Hülse, ist die Standardlösung dort, wo keine Wand gegenübersteht. Die dritte Variante, eine beschwerte Bodenplatte oder ein Pflanzkübel, hält im Windstoß am wenigsten.
Die Kassette selbst wird meist überschätzt. Sie hängt an zwei bis drei Dübeln und trägt im Ruhezustand kaum etwas. Erst die ausgezogene Bahn erzeugt Zug, und dieser Zug verteilt sich auf beide Enden. Wer bei der Montage spart, spart fast immer am Gegenlager, weil man dafür ein zweites Mal bohren, dübeln oder betonieren müsste.
Bei einer Bodenhülse gehört der Beton mindestens frostfrei gegründet. Eine Hülse, die nur in einer Betonplatte von zwanzig Zentimetern steckt, kippt bei entsprechendem Winddruck mitsamt der Platte.
| Lösung | Tragfähigkeit | Aufwand | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Wandhaken gegenüber | hoch | gering, wenn Mauerwerk trägt | Reihenhaus, Innenhof, Balkonnische |
| Pfosten in Bodenhülse, einbetoniert | hoch | Erdarbeiten nötig | freie Terrasse, Garten |
| Pfosten verschraubt auf Platte | mittel | mittel | bestehende Betonterrasse |
| Beschwerter Standfuß, Pflanzkübel | gering | keiner | geschützte Lage, kurzzeitiger Einsatz |
Warum bei Seitenmarkisen fast nie eine Windklasse angegeben ist
Für Markisen gilt die europäische Produktnorm EN 13561, die die Windbeständigkeit in Klassen einteilt. Bei Gelenkarm- und Kassettenmarkisen findet sich diese Klasse in jedem ordentlichen Datenblatt. Bei Seitenmarkisen aus dem Handel fehlt sie in aller Regel.
Der Grund liegt in der Bauweise. Die Klasse gilt für die geprüfte Anlage einschließlich Befestigung, und die Befestigung ist hier zur Hälfte bauseits: ein Haken in fremdem Mauerwerk, ein Pfosten in unbekanntem Untergrund. Was der Hersteller nicht kennt, kann er nicht prüfen lassen.
Praktisch heißt das: Eine Seitenmarkise ist kein dauerhaft ausgefahrenes Bauteil. Sie wird für die Zeit ausgezogen, in der jemand da ist, und danach eingerollt. Wer eine Trennwand sucht, die den Sommer über steht, ist mit einer geführten Senkrechtmarkise oder einer festen Konstruktion richtig, nicht mit einer federgespannten Bahn.
Maße: die Höhe entscheidet über den Sichtschutz
Verbreitet sind Kassettenhöhen von 140, 160 und 180 Zentimetern, einzelne Hersteller bieten 200 Zentimeter an. Die üblichen Auszugslängen liegen zwischen 300 und 400 Zentimetern, Sonderlängen reichen deutlich weiter.
Für den Balkon genügen meist 160 Zentimeter, weil die Brüstung die unteren Zentimeter ohnehin abdeckt. Auf ebener Terrasse ist 180 die sinnvollere Wahl: Bei 160 sieht ein stehender Erwachsener über die Bahn hinweg, und der Sichtschutz, wegen dem die Anlage gekauft wurde, wirkt nur im Sitzen.
Bei der Länge gilt die umgekehrte Vorsicht. Je weiter die Bahn ausgezogen wird, desto größer die Angriffsfläche und desto höher die Last am Gegenlager. Ein Auszug, der bis zur Terrassenkante reicht, sieht auf dem Papier vollständig aus und ist in einer windoffenen Lage die schlechtere Entscheidung.
Doppelseitenmarkise: zwei Bahnen aus einer Kassette
Bei der Doppelvariante sitzen zwei Wickelwellen in einem Gehäuse, das frei zwischen zwei Bereichen steht und in beide Richtungen auszieht. Typisch sind Gesamtlängen um sechs Meter, also zweimal drei Meter Auszug.
Der Einsatzfall ist der freistehende Sitzplatz im Garten, der von zwei Seiten einsehbar ist, oder die Trennung zweier Terrassen in einer Reihenhauszeile. Die Mittelkassette braucht dafür einen eigenen, tragfähigen Stand, meist einen einbetonierten Pfosten, weil sie von zwei Seiten gleichzeitig unter Zug steht.
Gewebe: dicht oder luftdurchlässig
Die Tücher bestehen üblicherweise aus beschichtetem Polyester, im höheren Segment auch aus Acrylgewebe. Für die Entscheidung wichtiger als das Grundmaterial ist, ob das Gewebe geschlossen oder perforiert ist.
Ein dichtes Tuch gibt vollen Sichtschutz und blockt Wind vollständig, weshalb es auch die gesamte Windlast auf die Konstruktion überträgt. Ein Mesh-Gewebe lässt Luft durch, senkt dadurch den Druck auf Kassette und Gegenlager spürbar und bleibt bei Böen ruhiger. Es gibt dafür weniger Blickdichte her.
In windoffenen Lagen ist das perforierte Gewebe die vernünftigere Wahl, auch wenn es beim Sichtschutz Abstriche bedeutet. Ein blickdichtes Tuch, das nach zwei Saisonen den Wandhaken aus der Mauer gezogen hat, schützt am Ende gar nicht.
Wann eine andere Bauart besser passt
Die Seitenmarkise wird häufig gekauft, weil sie günstig ist und ohne Motor auskommt. In drei Situationen führt das zu Enttäuschung.
- Schatten über dem Sitzplatz gesucht: Das leistet nur eine waagrechte Anlage, also Gelenkarm-, Kassetten- oder Pergolamarkise.
- Dauerhafter Wind- oder Sichtschutz über die Saison: Dafür ist eine seitlich geführte Senkrechtmarkise gebaut, deren Keder in einer Schiene läuft.
- Kein tragfähiges Gegenlager vorhanden: Ohne Wand oder gegründeten Pfosten bleibt nur der beschwerte Fuß, und der begrenzt die Anlage auf ruhige Tage.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Kann eine Seitenmarkise dauerhaft ausgezogen bleiben?+
Nicht als Dauerzustand. Die Bahn steht unter Federspannung und wirkt bei Wind wie ein Segel, dessen Last am Wandhaken oder Pfosten hängt. Herstellerangaben zur Windbeständigkeit fehlen bei dieser Bauart meist, weil die halbe Befestigung bauseits erfolgt. Ausziehen, solange jemand da ist, danach einrollen.
Welche Höhe ist die richtige?+
Auf ebener Terrasse 180 Zentimeter, sonst sieht ein Stehender darüber hinweg. Am Balkon reichen 160 Zentimeter, weil die Brüstung den unteren Bereich abdeckt. 140 Zentimeter ergeben nur Sinn, wenn im Sitzen abgeschirmt werden soll, etwa gegen tief stehende Sonne.
Braucht eine Seitenmarkise einen einbetonierten Pfosten?+
Wenn keine Wand gegenübersteht, ist das die haltbarste Lösung, und die Gründung sollte frostfrei sein. Auf einer bestehenden Betonterrasse kann ein verschraubter Pfosten genügen, sofern die Platte dick genug ist. Beschwerte Standfüße und Pflanzkübel halten normale Böen nicht zuverlässig.
Was kostet eine Seitenmarkise?+
Einfache Ausführungen beginnen bei rund 80 Euro, für breitere Modelle mit Kassette und besserem Gewebe werden 400 bis über 1.200 Euro fällig. Bei freistehender Montage kommen Pfosten und Gründung dazu, was den Materialpreis schnell verdoppeln kann.
Hält eine Seitenmarkise Regen ab?+
Sie steht senkrecht und ist keine Wand. Beschichtete Gewebe perlen leichten Regen ab, aber bei Wind wird das Wasser seitlich vorbeigetragen. Als Wetterschutz taugt sie nur zusammen mit einem Dach, und dann übernimmt sie den Spritz- und Windschutz an der offenen Seite.
