Senkrecht statt waagrecht beschattet die Glasfläche, nicht den Sitzplatz darunter. Für die Terrasse ist das oft die Ergänzung zur Gelenkarmmarkise, nicht der Ersatz.
Sie beschattet die Fläche, vor der sie hängt
Die Gelenkarmmarkise fährt waagrecht über eine Fläche und wirft Schatten nach unten. Die Senkrechtmarkise arbeitet um neunzig Grad gedreht: Das Tuch läuft von einer Welle über dem Fenster oder der Terrassenöffnung senkrecht nach unten und stellt sich wie ein Vorhang vor die Fläche.
Daraus folgt die wichtigste Einschränkung. Eine Senkrechtmarkise beschattet die Glasfläche, den Balkon von der Seite oder die offene Front einer Terrassenüberdachung. Sie beschattet nicht den Sitzplatz darunter. Wer Schatten über dem Esstisch im Freien sucht, braucht eine waagrechte Lösung und setzt die Senkrechtmarkise allenfalls seitlich dazu.
Ihre Stärke liegt dort, wo Sonne flach einfällt: am späten Nachmittag auf der Westseite, im Winter auf der Südseite und überall dort, wo eine große Glasfläche den Raum dahinter aufheizt. Weil sie außen vor dem Glas sitzt, fängt sie die Wärme ab, bevor sie in die Scheibe geht.
Zip-Führung oder offene Führung: der Unterschied, der den Preis erklärt
Bei der offenen Ausführung wird das Tuch seitlich nur lose geführt, über Seile oder schmale Profile. Der Tuchrand bleibt frei. Das ist günstiger, hat aber zwei Folgen: Bei Wind flattert das Tuch und kann aus der Führung springen, und seitlich bleibt ein Lichtspalt.
Beim Zip-System ist an beide Gewebekanten ein Keder eingeschweißt, der wie ein Reißverschluss in einer seitlichen Schiene läuft. Das Tuch sitzt damit spaltfrei und dauerhaft unter Spannung. Es flattert nicht, es kann nicht ausfädeln, und die Schiene nimmt die Windlast auf.
Genau deshalb ist die Bauform unter dem Namen Zipscreen verbreitet und in fast allen Herstellerprogrammen die windstabilere Variante. Für exponierte Lagen, für große Flächen und für alles, was ohne Aufsicht ausgefahren bleiben soll, führt an der geführten Ausführung praktisch kein Weg vorbei.
| Merkmal | Offene Führung | Zip-System |
|---|---|---|
| Tuchrand | frei, seitlich geführt | Keder läuft in der Schiene |
| Verhalten bei Wind | flattert, kann ausfädeln | bleibt gespannt |
| Lichtspalt seitlich | vorhanden | praktisch keiner |
| Windbeständigkeit | geringer | höher |
| Preis | niedriger | höher |
| Geeignet für | geschützte Lagen, kleine Flächen | exponierte Lagen, große Flächen |

Der Öffnungsfaktor entscheidet, ob Sie noch hinaussehen
Das Gewebe einer Senkrechtmarkise ist kein geschlossenes Tuch, sondern ein Gitter. Der Öffnungsfaktor gibt an, welcher Anteil der Fläche offen bleibt. Er ist die wichtigste Kennzahl bei der Stoffauswahl. Im Verkaufsgespräch dominiert trotzdem meist die Farbe.
Gängig sind Werte von null bis rund zehn Prozent, dazu vollständig verdunkelnde Gewebe. Ein Prozent bedeutet viel Blendschutz und wenig Durchblick, zehn Prozent das Gegenteil. Österreichische Hersteller wie Schlotterer führen ihre Gewebe entsprechend von Blackout über null, ein und vier bis fünf Prozent bis zu zehn Prozent.
Ein Punkt, der beim Kauf regelmäßig für Enttäuschung sorgt: Die Durchsicht funktioniert nur von der dunkleren zur helleren Seite. Tagsüber sehen Sie von innen hinaus, während von außen kaum etwas zu erkennen ist. Sobald abends das Licht im Raum brennt, kehrt sich das um. Wer abends Sichtschutz braucht, kommt mit einem hohen Öffnungsfaktor nicht weit.
Windklassen: was die Zahl im Datenblatt bedeutet
Für Markisen gilt die Norm DIN EN 13561 mit dem Titel „Markisen - Leistungs- und Sicherheitsanforderungen", Ausgabe 2015-08 samt Berichtigung von 2017. Sie teilt die Windbeständigkeit in Klassen ein, und diese Klasse steht im Datenblatt jeder ordentlich ausgewiesenen Anlage.
Wichtig ist, was die Klasse beschreibt: nicht das Tuch allein, sondern die geprüfte Anlage einschließlich ihrer Befestigung. Eine Anlage der Klasse 3, die in einem Hohlziegel mit zu kurzen Dübeln steckt, erreicht diese Klasse nicht. Die Montage entscheidet mit.
Geführte Zip-Systeme erreichen konstruktionsbedingt höhere Klassen als frei hängende Ausführungen, weil die seitliche Schiene die Last aufnimmt. Verlassen sollten Sie sich aber immer auf die Angabe des Herstellers für das konkrete Modell in der konkreten Größe, nicht auf die Bauform an sich.
Wo die Bauart eingesetzt wird
Der häufigste Fall in Österreich ist die große Glasfläche im Wohnbereich, oft nach Süden oder Westen. Hersteller geben für ihre Systeme Flächen bis rund achtzehn Quadratmeter an, womit auch raumhohe Schiebetüren abgedeckt sind.
Ebenso verbreitet ist das seitliche Schließen einer Terrassenüberdachung. Dort ersetzt die Senkrechtmarkise eine feste Wand, lässt sich aber wegfahren, wenn die Sonne nicht stört. In derselben Rolle findet sie sich am Wintergarten, wo sie senkrecht vor die Verglasung fährt, während eine zweite Anlage das Glasdach beschattet.
Am Balkon übernimmt sie den seitlichen Sicht- und Windschutz. Und an Bürogebäuden ist sie als Fassadenmarkise die übliche Lösung, weil sich viele gleiche Öffnungen wirtschaftlich mit einem System beschatten lassen.
Gewebe und was sie unterscheidet
Zwei Materialgruppen dominieren. Glasfasergewebe mit PVC-Beschichtung sind ausgesprochen formstabil und längen sich kaum, was bei senkrecht hängenden Bahnen entscheidend ist, weil sich jede Dehnung sofort als Welle zeigt. Polyestergewebe mit PVC-Beschichtung sind zugfester und leichter, dafür etwas beweglicher.
Daneben bieten Hersteller PVC-freie Spezialgewebe an, die für Bauvorhaben mit ökologischen Vorgaben gefragt sind. Für die Praxis zählt neben dem Material vor allem, ob das Gewebe für die vorgesehene Bahnbreite freigegeben ist. Diese Freigabe steht im Datenblatt und ist keine Verhandlungssache.
Was sie kostet und wovon es abhängt
Der Preis wird von vier Größen bestimmt: der Fläche, dem Führungssystem, dem Antrieb und der Farbgebung. Zwischen einer offen geführten Anlage und einem Zip-System derselben Größe liegen spürbare Unterschiede, weil Schienen, Keder und eine stabilere Unterkonstruktion dazukommen.
Bei senkrechten Anlagen ab etwa zweieinhalb Metern Breite ist der Motor ohnehin die Regel, weil sich eine gespannte Bahn von Hand schlecht gleichmäßig führen lässt. Für belastbare Zahlen sollten Sie zwei bis drei Angebote auf derselben Grundlage einholen; welche Angaben dafür übereinstimmen müssen, steht unter Kosten und beim Markisenkauf.
Öffnungsfaktor und was er in der Praxis bedeutet
Die Werte folgen den Gewebegruppen, wie sie österreichische Hersteller ausweisen. Zwischen zwei Geweben mit gleichem Öffnungsfaktor entscheidet zusätzlich die Farbe: Helle Gewebe streuen mehr Licht in den Raum, dunkle geben den schärferen Durchblick, heizen sich aber stärker auf.
| Öffnungsfaktor | Durchblick | Blend- und Sichtschutz | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Blackout | keiner | vollständig | Verdunkelung, Schlafraum |
| 0 bis 1 Prozent | sehr gering | sehr hoch | Südseite, Bildschirmarbeitsplatz |
| 4 bis 5 Prozent | mäßig | hoch | Wohnbereich, ausgewogener Fall |
| 10 Prozent | gut | geringer | Aussicht soll erhalten bleiben |
Windklassen nach EN 13561
| Klasse | Windstärke | bis etwa | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 0 | - | - | nicht geprüft oder nicht windbeständig, bei Wind einfahren |
| 1 | Beaufort 4 | 28 km/h | mäßige Brise, dünne Zweige bewegen sich |
| 2 | Beaufort 5 | 38 km/h | frische Brise, kleinere Laubbäume bewegen sich |
| 3 | Beaufort 6 | 49 km/h | starker Wind, auch dicke Äste bewegen sich |
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Kann ich bei geschlossener Senkrechtmarkise noch hinaussehen?+
Tagsüber ja, sofern das Gewebe einen Öffnungsfaktor von etwa vier Prozent oder mehr hat. Die Durchsicht funktioniert allerdings nur von der dunkleren zur helleren Seite. Sobald es draußen dämmert und innen Licht brennt, sehen umgekehrt die Nachbarn herein.
Hält eine Senkrechtmarkise Regen ab?+
Nur bedingt. Die Gewebe sind beschichtet und lassen leichten Regen abperlen, aber eine senkrechte Bahn ist keine Wand. Bei Wind wird Regen seitlich und von unten eingetragen. Als Wetterschutz für eine offene Terrassenseite taugt sie nur in Kombination mit einem Dach.
Was ist der Unterschied zwischen Senkrechtmarkise und Zipscreen?+
Zipscreen ist keine eigene Bauart, sondern die geführte Ausführung einer Senkrechtmarkise. Der Tuchrand trägt einen Keder, der in einer seitlichen Schiene läuft. Jeder Zipscreen ist eine Senkrechtmarkise, aber nicht jede Senkrechtmarkise ist geführt.
Braucht eine Senkrechtmarkise einen Windwächter?+
Bei motorisierten Anlagen ja. Der Sensor fährt die Markise ein, bevor die zulässige Windgeschwindigkeit überschritten wird, und schützt damit vor einem Schaden, der ein Vielfaches des Sensors kostet. Bei geführten Systemen mit hoher Windklasse ist er ebenfalls sinnvoll, weil niemand zu Hause sein muss, wenn der Wind auffrischt.
Lässt sich eine Senkrechtmarkise an einer bestehenden Terrassenüberdachung nachrüsten?+
Häufig ja, wenn die Konstruktion die zusätzliche Last aufnehmen kann und genug Platz für Kasten und Schienen bleibt. Entscheidend sind das Material der Überdachung und die Verankerung. Das gehört vor Ort beurteilt, nicht nach Foto.
