Bei aufwändiger Montage macht das Produkt nur noch gut die Hälfte der Rechnung aus. Wer Angebote vergleicht, muss deshalb die Nebenposten nebeneinanderlegen, nicht die Markisenpreise.
Was die Bauart kostet, bevor jemand bohrt
Die folgenden Spannen gelten für die Anlage allein, ohne Montage und ohne Elektroarbeiten. Sie stammen aus den Richtpreisen von DaiBau und dem Baukostenrechner von BauCheck, beide für den österreichischen Markt, Stand September 2026.
Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens liegt die Gelenkarmmarkise fast immer unter der Kassettenversion derselben Größe, weil Gehäuse, Deckel und die stabilere Tragkonstruktion Geld kosten. Zweitens ist die Spanne innerhalb jeder Bauart größer als der Abstand zwischen den Bauarten. Wer nur nach der Bauart fragt, hat also noch nichts über den Preis erfahren.
| Bauart | Preisspanne in Euro | Was die Spanne treibt |
|---|---|---|
| Seitenmarkise | 80 bis 1.200 | Breite und Ausführung, freistehend teurer |
| Gelenkarmmarkise | 200 bis 2.500 | Breite von 2 bis 7 Metern |
| Halbkassettenmarkise | 800 bis 2.500 | Größe und Ausstattung |
| Vollkassettenmarkise | 900 bis 3.500 | Größe, geschlossenes Gehäuse |
| Senkrechtmarkise | 550 bis 3.000 | Zip-Führung statt offener Führung |
| Wintergartenmarkise | 1.000 bis 5.000 | Breite ab 6 Metern deutlich teurer |
Die Größe schlägt alles andere
Bei der Gelenkarmmarkise reicht die Spanne von rund 200 Euro für zwei bis drei Meter Breite bis über 2.500 Euro ab vier Metern. Das ist mehr als ein Faktor zehn, und dazwischen liegt nur Größe.
Der Grund ist Physik. Mit der Ausladung wächst der Hebel, mit dem das ausgefahrene Tuch an der Wand zieht. Ab etwa vier Metern Breite brauchen die meisten Systeme kräftigere Arme, ein stärkeres Ausfallprofil und mehr Befestigungspunkte. Ein zusätzlicher Meter kostet deshalb nicht ein Fünftel mehr, sondern oft ein Drittel.
Daraus folgt eine praktische Empfehlung: Messen Sie zuerst, was Sie wirklich beschatten wollen, und lassen Sie sich die Preise für zwei benachbarte Größen nennen. Der Sprung zwischen 3,5 und 4 Metern ist bei vielen Systemen der teuerste der ganzen Liste.
Montage: 200 bis 500 Euro, wenn nichts dazwischenkommt
Für die Standardmontage einer Gelenkarmmarkise von drei bis sechs Metern Breite, ohne Elektroanschluss, nennt DaiBau 200 bis 500 Euro. Gecheckt.at liegt mit 400 bis 600 Euro etwas darüber und gibt 500 Euro als Durchschnitt an. Rechnet man nach laufendem Meter, landen beide bei ungefähr 90 bis 100 Euro pro Meter Breite.
Diese Zahlen setzen einen tragfähigen, erreichbaren Untergrund voraus: Vollziegel oder Beton, Leiter genügt, Steckdose in der Nähe. Trifft eine dieser Annahmen nicht zu, ändert sich nicht der Montagepreis, sondern es kommen zusätzliche Positionen dazu. Genau dort entstehen die Unterschiede zwischen zwei Angeboten, die beim Produkt gleich aussehen.
Die vier Posten, die Angebote unvergleichbar machen
Elektroanschluss. Eine motorisierte Markise braucht 230 Volt am Montageort. Liegt dort keine Leitung, kommt eine Zuleitung dazu. Für Montage samt Elektroanschluss werden je nach Aufwand 270 bis 500 Euro angesetzt, und das ist der Fall ohne Stemmarbeiten.
Abstandsmontage an gedämmter Fassade. Ein Wärmedämmverbundsystem trägt keine Markise. Die Last muss durch die Dämmung hindurch in die tragende Wand geleitet werden, über Abstandshalter oder ein Konsolensystem. Allein das Montageset für Dämmstärken bis 200 Millimeter kostet rund 190 Euro Material, dazu kommt die längere Arbeitszeit. Bei stärkerer Dämmung oder größeren Anlagen wird eine statisch geprüfte Konsole nötig.
Zugang. Erdgeschoss mit Leiter ist der günstigste Fall. Zweiter Stock über einem Wintergarten, Innenhof ohne Zufahrt oder eine Balkonbrüstung, hinter der niemand stehen kann: Dann braucht es Gerüst oder Hebebühne, und das ist ein eigener Posten.
Altanlage. Wird eine bestehende Markise ersetzt, fallen Demontage und Entsorgung an, und häufig muss die alte Verankerung verschlossen oder ersetzt werden.
Motor, Funk und Sensoren
Der Motor ist bei größeren Anlagen längst der Normalfall, nicht die Ausstattungsvariante. Ab etwa vier Metern Breite lässt sich eine Markise von Hand kaum noch gleichmäßig kurbeln, und bei Senkrechtmarkisen gilt das schon ab zweieinhalb Metern.
Für Windsensorik, Sonnenautomatik oder eine Anbindung ans Haussystem werden je nach System 200 bis 800 Euro veranschlagt. Ein Windwächter allein, der die Anlage bei überschrittener Windgeschwindigkeit selbsttätig einfährt, liegt bei 150 bis 350 Euro.
Bei diesem Posten lohnt eine klare Unterscheidung. Der Sonnensensor ist Komfort, man kann ihn weglassen. Der Windsensor ist ein Schutzbauteil für eine Anlage, die im Zweifel mehrere tausend Euro gekostet hat, und er ist der Grund, warum sie eine Böe übersteht, während niemand zu Hause ist. Wer bei der Sensorik sparen will, spart beim Sonnensensor.
Nach zehn Jahren: die Neubespannung
Markisentuch ist ein Verschleißteil. Je nach Lage, Pflege und Sonneneinstrahlung ist nach etwa acht bis fünfzehn Jahren ein neues Tuch fällig, oft bevor die Mechanik ihr Ende erreicht.
Der Stoff selbst kostet 25 bis 50 Euro pro Quadratmeter für gängige Acrylgewebe. Hochwertige Ausführungen mit besonderer UV-Beständigkeit liegen bei 60 bis 80 Euro, wasserdichte Bespannungen aus PVC oder beschichtetem Polyester bei 45 bis 65 Euro. Mit Konfektion und Einbau durch den Fachbetrieb ergeben sich 200 bis 400 Euro für kleine Balkonmarkisen, 400 bis 700 Euro für übliche Terrassengrößen und 700 bis 1.500 Euro für große Anlagen.
Diese Zahl gehört in die Anschaffungsentscheidung. Eine Vollkassette schützt das eingefahrene Tuch vollständig und verlängert dessen Leben spürbar. Der Aufpreis gegenüber der offenen Bauart holt sich über eine gesparte Neubespannung einen Teil zurück.
Zwei Beispiele, vollständig gerechnet
Kostenrechner nennen fast immer Produktpreise und behandeln die Montage als Zeile darunter. Die folgenden beiden Rechnungen setzen die Posten zusammen, die tatsächlich auf der Rechnung stehen. Beide sind aus den oben belegten Einzelwerten gerechnet und beschreiben typische, keine konkreten Angebote.
| Position | Gelenkarm, 4 x 2,5 m, Kurbel | Vollkassette, 5 x 3 m, Funkmotor |
|---|---|---|
| Anlage | 900 | 2.400 |
| Windsensor | entfällt | 250 |
| Elektroanschluss | entfällt | 300 |
| Abstandsmontage gedämmte Fassade | entfällt | 350 |
| Montage | 400 | 500 |
| Summe in Euro | rund 1.300 | rund 3.800 |
| Anteil der Anlage | 69 Prozent | 63 Prozent |
Warum der teurere Fall nicht das teurere Produkt ist
Im rechten Beispiel entfallen 1.400 Euro auf Posten, die nichts mit der Markise zu tun haben: Strom, Dämmung, Befestigung. Wer nur die Produktpreise vergleicht, sieht 900 gegen 2.400 Euro und hält den Unterschied für eine Frage der Ausstattung. Tatsächlich entscheidet die Fassade mit.
Das erklärt auch, warum ein Angebot ohne Ortstermin wenig wert ist. Dämmstärke, Untergrund und die Frage, wo die nächste Leitung liegt, lassen sich am Telefon nicht klären. Ein Betrieb, der ohne Aufmaß eine Endsumme nennt, hat entweder großzügig aufgeschlagen oder wird nachfordern.
Was ein vergleichbares Angebot enthalten muss
Zwei Angebote lassen sich nur vergleichen, wenn beide dieselben Positionen getrennt ausweisen. Fehlt eine davon, ist die Endsumme keine Aussage, sondern eine Schätzung.
- Bauart, Breite und Ausfall in Zentimetern, nicht nur "ca. 4 Meter"
- Windwiderstandsklasse der Anlage nach EN 13561, geprüft samt Befestigung
- Stoffqualität mit Kollektions- und Artikelnummer, nicht nur die Farbe
- Antrieb: Kurbel, Motor mit Schalter oder Funk, samt Fabrikat
- Sensorik einzeln bepreist, Wind und Sonne getrennt
- Montageart: Wand, Decke oder Sparren, bei Dämmung das Konsolensystem benannt
- Elektroarbeiten als eigene Position, mit der Angabe, wo die Zuleitung endet
- Demontage und Entsorgung der Altanlage, sofern vorhanden
- Gewährleistung getrennt für Anlage, Motor und Tuch
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Was kostet eine Markise mit Montage?+
Für eine mittelgroße Terrassenmarkise mit Kurbel liegt die Endsumme meist zwischen 1.200 und 1.600 Euro. Eine motorisierte Kassettenmarkise mit Windsensor an einer gedämmten Fassade kommt auf 3.500 bis 4.500 Euro. Der Unterschied entsteht zu einem guten Drittel außerhalb des Produkts, bei Elektroanschluss, Befestigung und Zugang.
Warum kostet die Kassettenmarkise mehr als die Gelenkarmmarkise?+
Die Kassette ist ein zusätzliches Bauteil aus Aluminium, das im eingefahrenen Zustand Tuch und bei der Vollkassette auch die Arme umschließt. Dazu kommt eine stabilere Tragkonstruktion, weil das Gehäuse mitgetragen werden muss. Bei gleicher Größe liegen dazwischen häufig 500 bis 1.000 Euro. Dafür altert das Tuch langsamer, was sich bei der Neubespannung bemerkbar macht.
Lohnt sich eine Markise aus dem Baumarkt oder aus dem Onlinehandel?+
Bei kleinen Anlagen an einem geschützten Balkon und tragfähigem Untergrund kann das eine vernünftige Entscheidung sein. Sobald die Breite vier Meter überschreitet, die Fassade gedämmt ist oder ein Motor mit Stromanschluss ins Spiel kommt, verschiebt sich das Verhältnis. Die Montage entscheidet dann über die Windbeständigkeit, und die ist kein Ausstattungsdetail.
Was kostet es, eine Markise neu bespannen zu lassen?+
Der Stoff kostet 25 bis 50 Euro pro Quadratmeter, hochwertige Gewebe 60 bis 80 Euro. Mit Konfektion und Einbau ergeben sich 200 bis 400 Euro bei kleinen Balkonmarkisen, 400 bis 700 Euro bei üblichen Terrassengrößen und bis zu 1.500 Euro bei großen Anlagen. Fällig wird das nach etwa acht bis fünfzehn Jahren.
Kann ich eine Markise selbst montieren und dadurch sparen?+
Die Montagekosten von 200 bis 500 Euro sind der sichtbare Teil. Der unsichtbare ist die Verankerung: Die angegebene Windwiderstandsklasse gilt nur für die geprüfte Anlage samt Befestigung. Wer im Hohlziegel mit zu kurzen Dübeln arbeitet, hat die Klasse rechnerisch verloren, ohne es zu merken. Bei kleinen Klemm- oder Balkonmarkisen ohne Bohren ist Selbstmontage vorgesehen, bei allem, was an einer Wand hängt und über zwei Meter breit ist, nicht.
