Die Himmelsrichtung entscheidet über die Bauart, die Sonnenhöhe über die Größe. Beide Fragen stehen vor der Produktauswahl.
Wie viel Schatten tatsächlich ankommt
Der Ausfall ist nicht die beschattete Tiefe. Wo der Schatten liegt, ergibt sich aus dem Ausfall, der Höhe der Vorderkante und dem Sonnenstand. Steht die Sonne hoch, fällt der Schatten fast senkrecht nach unten und deckt die Fläche unter dem Tuch ab. Steht sie tief, wandert er weiter nach vorne, und unter der Vorderkante scheint die Sonne durch.
Für eine Anlage mit drei Metern Ausfall und einer Vorderkante 2,2 Meter über dem Boden lässt sich das ausrechnen. In der Tabelle steht die beschattete Tiefe ab der Hauswand, gemessen bei frontal einfallender Sonne, also etwa an einer Südterrasse zu Mittag.
Die Zahlen erklären eine verbreitete Enttäuschung. Im Juni funktioniert die Markise, im September nicht mehr, obwohl die Sonne noch kräftig ist. Sie hat sich nicht verändert, nur der Sonnenstand.
| Sonnenhöhe | Beschattete Tiefe | Wann das etwa vorkommt |
|---|---|---|
| 65 Grad | 1,97 m | 21. Juni, Mittag, Wien |
| 60 Grad | 1,73 m | Hochsommer, früher Nachmittag |
| 50 Grad | 1,15 m | August, später Vormittag |
| 42 Grad | 0,56 m | 23. September, Mittag |
| 35 Grad | kein Schatten mehr | Oktober oder Spätnachmittag |
| unter 35 Grad | kein Schatten mehr | Sonne scheint unter der Anlage durch |
Was in Österreich am Himmel passiert
Die Mittagshöhe der Sonne ergibt sich aus der geografischen Breite und der Jahreszeit. In Wien steht sie zur Sommersonnenwende 65 Grad über dem Horizont, am 21. März und 23. September 42 Grad und zur Wintersonnenwende nur noch 18 Grad. Weiter südlich liegen die Werte geringfügig höher: In Klagenfurt sind es 67, 43 und 20 Grad.
Für die Planung zählt der zweite Wert. Die 42 Grad der Tagundnachtgleiche sind die Marke, an der eine übliche Terrassenmarkise ihre Wirkung weitgehend verliert. Ab etwa 35 Grad Sonnenhöhe scheint die Sonne bei drei Metern Ausfall vollständig unter der Anlage durch.
Und das gilt für den Mittag. Am späten Nachmittag steht die Sonne auch im Juli tief, weshalb genau dann, wenn die Terrasse benutzt wird, die waagrechte Fläche am wenigsten hilft.

Die Himmelsrichtung bestimmt die Bauart
Eine Südterrasse bekommt die Sonne mittags von oben. Das ist der Fall, für den die waagrechte Markise gebaut ist, und hier funktioniert sie am besten. Der Ausfall darf großzügig sein, weil die steile Sonne ohnehin nur einen kurzen Schatten nach vorn wirft.
Eine Westterrasse ist der schwierigste Fall. Die Nachmittags- und Abendsonne steht flach und kommt fast waagrecht unter jede Markise. Hier hilft die reine Ausladung nicht weiter. Was hilft, ist ein ausfahrbarer Volant an der Vorderkante oder eine zusätzliche Senkrechtmarkise, die die Fläche vor der Terrasse abschirmt statt darüber.
Bei einer Ostterrasse stellt sich dasselbe Problem am Vormittag, meist weniger dringend, weil die Hitze noch fehlt. Nordterrassen brauchen selten Sonnenschutz, dafür manchmal Wind- oder Sichtschutz, und dafür ist die seitliche Bauart gemacht.
Breite: über die Fensterfront hinaus
Die Breite wird gern an der Terrassentür oder der Fensterfront ausgerichtet. Das führt regelmäßig zu einer Anlage, die einen Meter zu schmal ist. Der Grund liegt wieder am Sonnenstand: Steht die Sonne nicht genau frontal, sondern seitlich versetzt, wandert der Schattenbereich zur Seite, und die Ränder der Terrasse fallen aus der Abdeckung.
Als Faustwert sollte die Markise auf jeder Seite etwa einen halben Meter über die zu beschattende Fläche hinausreichen. Bei einer Sitzgruppe von drei Metern Breite bedeutet das eine Anlage von rund vier Metern.
Dieser Zuschlag hat Folgen für alles Weitere. Vier Meter Breite heißt in der Regel Motor statt Kurbel, häufig einen dritten Gelenkarm und höhere Anforderungen an die Befestigung. Der halbe Meter Zuschlag ist damit keine kosmetische Entscheidung, sondern eine, die den Preis verschiebt.
Wo Tisch und Sitzgruppe stehen
Die beschattete Zone liegt bei hoher Sonne nahe an der Hauswand. Eine Sitzgruppe, die an der vorderen Terrassenkante steht, weil dort die Aussicht ist, liegt oft genau außerhalb. Vor dem Aufmaß lohnt eine simple Probe: An einem sonnigen Tag zur gewünschten Nutzungszeit den Schattenverlauf beobachten und markieren, wo die Sitzgruppe tatsächlich steht.
Daraus folgt manchmal die einfachere Lösung. Wer den Tisch um anderthalb Meter näher zum Haus rückt, spart unter Umständen den Sprung in die nächste Größenklasse und damit mehrere hundert Euro.
Bei tiefen Terrassen, auf denen das nicht geht, ist die Grenze der frei tragenden Bauart schnell erreicht. Ab etwa vier Metern nötigem Ausfall führt der Weg zur Pergolamarkise mit Stützen oder zu einer festen Überdachung.
Neigung und Kopffreiheit auf der Terrasse
Anders als am Balkon steht auf der Terrasse meist genug Höhe zur Verfügung. Das verleitet dazu, die Anlage hoch zu montieren, was zunächst sinnvoll erscheint: mehr Kopffreiheit, mehr Luft.
Der Nachteil zeigt sich bei tiefer Sonne. Je höher die Vorderkante liegt, desto flacher muss die Sonne stehen, damit sie noch abgefangen wird. Eine hoch montierte Markise verliert im Herbst und am Abend früher ihre Wirkung als eine tiefer angebrachte.
Der übliche Kompromiss liegt bei einer Vorderkante um 2,1 bis 2,3 Meter über dem Boden, hoch genug zum Durchgehen und tief genug, um bei mittlerem Sonnenstand noch zu wirken. Die Neigung liegt meist zwischen 15 und 25 Grad, für den Einsatz bei leichtem Regen bei mindestens 14 Grad.
Vier Angaben vor dem Aufmaß
Wer diese Punkte geklärt hat, bekommt Angebote, die zur Terrasse passen, und nicht nur zur Fensterbreite.
- Himmelsrichtung der Terrasse und die Tageszeit, zu der sie tatsächlich genutzt wird
- Lage der Sitzgruppe, gemessen als Abstand von der Hauswand
- Breite der zu beschattenden Fläche, zuzüglich rund einem halben Meter je Seite
- Verfügbare Montagehöhe und die gewünschte Durchgangshöhe an der Vorderkante
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Wie groß muss eine Terrassenmarkise sein?+
In der Breite etwa einen halben Meter je Seite über die zu beschattende Fläche hinaus, weil der Schatten bei seitlich stehender Sonne wandert. Der Ausfall richtet sich danach, wie weit die Sitzgruppe von der Hauswand entfernt steht. Bei drei Metern Ausfall liegt die beschattete Zone im Hochsommer bei knapp zwei Metern ab der Wand.
Warum wirft meine Markise im Herbst kaum noch Schatten?+
Weil die Sonne tiefer steht. In Wien erreicht sie am 23. September zu Mittag noch 42 Grad statt 65 Grad im Juni. Bei drei Metern Ausfall sinkt die beschattete Tiefe damit von knapp zwei Metern auf gut einen halben. Ab etwa 35 Grad scheint die Sonne vollständig unter der Anlage durch.
Was hilft gegen tief stehende Abendsonne?+
Ausladung hilft nicht, Höhe schon. Ein ausfahrbarer Volant an der Vorderkante fängt flache Strahlung ab, ebenso eine Senkrechtmarkise vor der Terrasse. Beide arbeiten in der Vertikalen, und genau dort kommt die Abendsonne herein.
Welche Bauart passt für eine Westterrasse?+
Eine waagrechte Anlage allein greift zu kurz. Sinnvoll ist die Kombination: Gelenkarm- oder Kassettenmarkise für die Mittagssonne, dazu ein Volant oder eine Senkrechtmarkise für den Nachmittag. Bei windoffener Lage ist die geführte Pergolamarkise die stabilere Grundlage.
Wie hoch sollte die Markise montiert werden?+
Üblich ist eine Vorderkante zwischen 2,1 und 2,3 Metern über dem Boden. Höher montiert bringt mehr Kopffreiheit, verliert aber bei tiefer Sonne früher die Wirkung, weil die Strahlen dann unter der Vorderkante durchkommen.
